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zum Thema: Fluggelände



windige Tipps zur Wahl der richtigen "Drachenwiese"


  Die Wahl des richtigen Fluggeländes ist für unbeschwertes Drachenvergnügen entscheidend wichtig. Dazu sollten Sie die Sicherheitshinweise beherzigen und ungünstigen Luftströmungen im Gelände und an Hindernissen ausweichen. Man kann sagen, je mehr glatte Fläche ringsum - um so besser. Denn nicht auf die Windmenge kommt es in erster Linie an, sondern auf die Qualität der Luftströmung! Hindernisse wie Häuser, Bäume, Hügel bilden an der dem Wind abgewandten Seite Verwirbelungen der Luft, die auch noch in einer Entfernung, die etwa der drei- bis vierfachen Höhe des Hindernisses entspricht, wirksam sind. In diesen Wirbeln kann die Luft von allen Richtungen strömen, auch von oben oder gegen die Windrichtung; und das ist auch der Grund, warum manche glauben, Bäume seien “magnetisch” für Drachen! Anschaulich lassen sich Hindernisse im Luftstrom vergleichen mit dem Blick ins Kielwasser eines Segelbootes: Wie groß ist die Entfernung vom Heck bis das Wasser wieder ganz ruhig wird? Und wie sähe es aus, wenn statt des stromlinienförmigen Bootskörpers ein Baum quer durch´s Wasser gezogen werden würde?
Also, vor allem kommt es beim Drachensteigen auf die freie Fläche an, aus der der Wind anströmt. Je kleiner der Drachen ist, umso wichtiger ist diese gleichmäßige Strömung, denn ein kleiner Drachen hat weniger “träge Masse” und wird selbst von kleinsten Verwirbelungen voll erfaßt.

Übrigens, störende Turbulenzen und damit Luftstromverlangsamungen sind deutlich weiter entfernt zu spüren als nur bis zur Entsprechung der vierfachen Hindernishöhe (Wirbelzone), vor allem dann, wenn sie durch breite Hindernisse verursacht werden (ein Gebäudekomplex erzeugt eben mehr Turbulenzen als eine freistehende Pappel gleicher Höhe - irgendwie logisch!). Als Faustregel im freien Gelände sollten Sie folgende Größenordnungen bedenken: Auf einer Wiese stehend mit einer Baumreihe quer zum Wind im Rücken (z.B. Waldrand als Strömungsabrisskante) müssen Sie mindestens zwei Fußballfelder bzw. 250 m freie glatte Wiesenfläche zwischen sich und diese Baumreihe bringen, um wieder brauchbare Strömungsverhältnisse für Drachen vorzufinden. In Windrichtung brauchen Sie etwa nur so viel Platz, dass die ausgelassenen Leine plus ca. 50% Sicherheitsabstand in einer Flaute noch vor dem nächsten Hindernis niedersinken kann.
 
 
Zwei Grafiken (leicht verändert, entnommen aus Hans Häckel: Farbatlas Wetterphänomene; Verlag Eugen Ulmer; 1999) mögen die Einflüsse von Hindernissen auf die Luftströmung veranschaulichen:
 
Situation A
zeigt den Düseneffekt an Engstellen in Gebirgstälern oder zwischen Hochhäusern. Da nach dem Kontinuitätsprinzip das Produkt aus Strömungsgeschwindigkeit und durchströmtem Querschnitt konstant ist, kommt es an solchen Stellen zu erheblichen Windgeschwindigkeitszunahmen.

Situation B
zeigt den Strömungsverlauf quer zu einer Geländeabsenkung (Waldrand, Gebäudekomplex, Talsenke o.ä.) mit dem walzenförmigen großen Leewirbel (horizontale Rotationsachse) und der Windgeschwindigkeitsreduzierung im Fallwind-Bereich.

Situation C
zeigt den Strömungsverlauf an einem solitären Hindernis (Hügel, freistehender Baum, Einzelgebäude o.ä.) mit den vielen kleinen Sogwirbeln auf der Lee-Seite.

Situation D
zeigt den Strömungsverlauf quer zu einem länglichen Hindernis (Hügelkette, Böschung, Damm o.ä.) mit der Windgeschwindigkeitszunahme am ansteigenden Hang, den ersten Sogwirbeln am schnell umströmten Plateau und der nachfolgenden Situation B. Hieraus folgt für alle Drachenfreunde, die in hügeligem Gelände wohnen: bei kräftigem Wind sollte man sich möglichst auf die vom Wind angeblasene Luv-Seite eines Hanges mit möglichst sanftem Kurvenverlauf stellen.
 
 
Feste Hindernisse, wie z.B. Gebäude, bilden im Nahbereich heftige Effekte/ Verwirbelungen, die sich aber in verhältnismäßig kürzerem Abstand in der Strömung wieder nivellieren. Teilweise durchlässige Hindernisse, wie z.B. Baumgruppen, bilden im Nahbereich weniger heftige Verwirbelungen / Effekte, die sich aber vergleichsweise weiträumiger auswirken! Da alle Wirkungen direkt mit der Hindernishöhe zusammenhängen, kann man in der Praxis gut über die Hindernisgröße den Ausdehnungsbereich abschätzen, in dem das Hindernis den Wind verlangsamt. Die folgende Grafik bezieht sich auf eine durchschnittlich dicht bepflanzte Windschutzhecke aus Sträuchern und Bäumen. Für uns Drachenflieger ist die rote Linie von Bedeutung!
 
 
Die Grafik zeigt: In einem Abstand, der etwa der 7-fachen Hindernishöhe entspricht beginnt sich der Luftstrom schon vor dem Hindernis zu verlangsamen und erreicht erst bei etwa der gleichen Entfernung hinter dem Hindernis seine maximale Abbremsung auf einen Restwert von ca. 40%. Die ursprüngliche Windgeschwindigkeit (ohne das Hindernis) wird erst in einem Abstand wiedererreicht, der etwa dem 30-fachen der Hindernishöhe entspricht. Das Praktische an dieser Darstellung ist, dass Sie damit für jede beliebige Hindernishöhe (von 1,5 m hohen Gartenzäunen bis zu 20 m hohen Pappelreihen) die sinnvollen Abstände für Ihr Hobby abschätzen können. Beispiel:
Wenn in der Richtung, aus der der Wind anströmt, eine Hecke mit etwa 9m Höhe steht, und diese Hecke 117m (13 x Hindernishöhe) entfernt ist, dann wird dort, wo Sie gerade stehen, der Wind durch diese Hecke ganau auf halbe Geschwindigkeit abgebremst! Entfernen Sie sich in Windrichtung auf einen Abstand von 207 m (23 x Hindernishöhe) zur Hecke, dann wird dort, wo Sie gerade stehen, der Wind durch diese Hecke immer noch um 10% abgebremst.
 
 
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